Arbeit des Fossiliensammlers



Das Ausgraben und Bergen von Fossilien ist oft knochenharte Arbeit. Es kommt nur selten vor, das Fossilien völlig ausgewittert sind und ohne Aufwand aufgesammelt werden können. Meistens sind die Überreste von urzeitlichen Tieren und Pflanzen in Gesteinen eingeschlossen. Die Gesteinshärte kann von weichem Kreidekalk bis hin zu äußerst harten und zähem Tonstein reichen. Das umgebende Gestein muss oft mit Hammer und Meisel vorsichtig abgeschlagen werden. Die Kunst ist, die Fossilien bei diesem Vorgang nicht zu beschädigen. In Ägypten kommen zu dieser ohnehin anstrengenden Arbeit noch die klimatischen Bedingungen wie glühende Hitze und Sandstürme und empfindlich kalte Nächte hinzu.


Richard Markgraf verwendete viel Sorgfalt auf seine Arbeit. Neben seinem Talent im Auffinden von Fossilien kamen ihm dabei auch seine Erfahrung und das von Fraas erlernte Wissen zu Gute. Er entwickelte sogar eigene Techniken zur Konservierung der empfindlichen Fossilien. Walter Granger berichtet, wie Markgraf heißen Leim oder Kleber, sowie Leinen oder anderes Bandagiermaterial benutzte um die brüchigen Fossilien für den Transport zu stabilisieren, was einige Sorgfalt und Kenntnis voraussetzt.


Fossilienbergung

Markgrafs Arbeitsweise zur Bergung der Fossilien konnte durch die amerikanische Expedition im Jahre 2000 unter der Leitung von Josh Smith in der Baharija Oase dokumentiert werden. Sie fanden eine zugeschüttete Grube, die bei ihrer Freilegung 3 Dinosaurierknochen enthielt. Das Felsmaterial war rund um die Knochen abgetragen worden bis auf einige schmale Säulen unter den Knochen um sie zu stabilisieren. Die Amerikaner waren erstaunt festzustellen, dass die Knochen bereit zum Teil in Zeitungspapier (mit deutschen Wörtern) und mit Gips getränkter Leinwand eingepackt waren. Markgraf hatte offenbar schon begonnen die Knochen für den Transport zu präparieren. Markgraf musste seine Arbeit unterbrechen und schüttete die Grube wieder zu, wahrscheinlich mit der Absicht zurück zu kehren und die Knochen vollends zu bergen, was aber nicht mehr geschah.

 

Richard Markgraf legt ein Fossil frei



Nur das Allernötigste

Markgraf konzentrierte seine Tätigkeit Anfang des 20. Jhds. auf die westlichen Wüstengebiete und das Becken von Fayum und auf die Baharija Oase. Walter Granger berichtet in seinen Tagebüchern, dass Markgrafs Wüsten-Camp aus einem kleinen Zelt, nur mit dem Allernötigsten ausgestattet, bestand. Weiters besaß er zwei Kamele und beschäftigte außerdem zwei Einheimische als Gehilfen. Die Ausrüstung war bewusst möglichst einfach gewählt, da die Transportkapazität der Kamele beschränkt war, wenn zusätzlich zu den bereits zu tragenden Lasten wie Ausrüstung und vor allem Wasserbehälter noch die Kisten mit den Fossilien dazukamen. Je weniger an zusätzlicher Ausrüstung mitgenommen wurde, desto besser waren die Bewegungsfreiheit und die Möglichkeit zahlreiche Fossilien zu bergen und zu transportieren.



Richard Markgraf mit Hund 1907 Quelle/source: American Museum of Natural History



Mit ihm kann man durch Dick und Dünn gehen

Ernst Stromer betont in seinem Nachruf, dass für Markgraf niemals das Geld im Vordergrund seiner Tätigkeit gestanden hat, sondern die Freude an wissenschaftlich bedeutenden Funden. Weiters lobt er sein Geschick und seine Ausdauer und Zuverlässigkeit bei der Arbeit:

„…Er bewarte dabei große Findigkeit, außerordentliche Sorgfalt im Sammeln und Zuverlässigkeit in seinen Fundangaben. Ihm war es wirklich um die Sache zu tun und es freute ihn am meisten, wenn er wissenschaftlich wertvolle Stücke fand und sie vor allem deutsche Museen zukommen lassen konnte; das Verdienen stand ihm trotz seiner Armut erst in zweiter Linie….“

Durch die langjährige Zusammenarbeit mit den Wissenschaftlern konnte sich Markgraf auch ein beachtliches Wissen über Paläontologie und Wirbeltierfossilien aneignen, was auch wieder den Forschern zu gute kam, da er Bescheid wusste wovon er nach München oder Stuttgart berichtete.

Eberhard Fraas bringt Markgrafs Freude an seiner Tätigkeit 1906 sehr schön zum Ausdruck:

Markgraf habe „seinen größten Stolz und Ehrgeiz darin gefunden der Wissenschaft einen Dienst zu leisten“

Fraas beschreibt in einem Brief im gleichen Jahr über Markgraf: „mit ihm kann man durch dick und dünn gehen“

Richard Markgraf war als Fossiliensammler unter anderem für die „Bayrische Staatssammlung für Paläontologie und historische Geologie“ München, das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart, die Senckenbergische Naturforschende Gesellschaft Frankfurt, sowie für das „American Museum of Natural History“ in New York tätig.



Wichtige Expeditionen


Expedition 1903

Forscher: Ernst Stromer von Reichenbach
Orte: Mokattam, Fayum
Funde: Säugetierfossilien, Walfossilien, darunter Dorudon stromeri.

Die erste Expedition Stromers, an der Markgraf beteiligt war, startete im November 1903. Die dreimonatige Forschungsreise war sehr weit reichend. Es konnten zahlreiche Walfunde in Mokattam und Birket Qarun gemacht werden. Markgraf setzte die Suche nach Walfossilien fort. Seine Funde, darunter Überreste der Walart Dorudon stromeri, schickte er Stromer nach München.

Expedition 1906

Forscher: Eberhard Fraas
Orte: Fayum
Funde: Schädel von Arsinoitherium, Zeuglodon Isis (Basilosaurus), Schädel eines Krokodils

 

Im März 1906 begann die Expedition Eberhard Fraas in das Fayum, die sehr wichtig für die Walforschung werden sollte. Als Fraas Anfang 1906 seine Anreise nach Ägypten wegen eines Schiffdefekts unterbrechen musste, erledigte Markgraf in Kairo alle weiteren Vorbereitungen für die Expedition.

Die organisatorischen Fähigkeiten seines Mannes in Kairo waren für den Forscher eine wertvolle Unterstützung. Fraas und Markgraf machten sich mit angeworbenen Beduinen und Kamelen auf den Weg ins Fayum-Becken.

 

Dort gelang es ihnen neben der Entdeckung eines Schädels eines Arsinoitherium ua. der Fund eines obereozänen Walschädels von ca. 1,30 m Länge, welcher von einem Basilosaurus Isis, damals Zeuglodon Isis genannt, stammte. Dieser Fund war bedeutend, was die offizielle Erstbeschreibung die noch in demselben Jahr durch den Briten Charles William Andrews erfolgte, zeigt.


Basilosaurus isis, Quelle/source: Wikipedia


Expedition 1907

Forscher: Walter Granger, Henry F. Osborn, George Olsen
Orte: Fayum
Funde: Walfossilien: Basilosaurus isis, Saghacetus osiris

1907 unternahm eine Gruppe Amerikaner eine Forschungsexpedition in das Fayum um dort nach Säugetierfossilien zu suchen. Es waren dies Walter Granger, dessen Assistent George Olsen und Prof. Henry Fairfield Osborn vom American Museum of Natural History. Im Fayum trafen die Amerikaner auf Richard Markgraf. Osborn und Granger hatten bereits von Markgraf und seiner Arbeit für Fraas gehört und konnten einen erfahrenen Sammler gut gebrauchen. Schließlich kam es zu einer Zusammenarbeit Markgrafs mit den amerikanischen Forschern, die ihn als angenehme Gesellschaft und hilfreichen Mitarbeiter empfanden. Markgraf war zu dieser Zeit wohl im Auftrag von Eberhard Fraas im Fayum auf der Suche nach Wirbeltierfossilien. Die amerikanische Expedition war sicher eine gute Gelegenheit zu einem zusätzlichen Verdienst. In den genauen Tagebucheintragungen von Walter Granger findet auch Markgraf mehrmals Erwähnung.

Walter Grangers Wüstencamp: Markgraf verhandelt mit Beduinen


Walter Granger beschreibt in seinem Tagebuch von 1907 einige Vorkommnisse in Zusammenhang mit Markgraf:

Samstag 16. Februar
Prof. O[sborns] Mannschaft diesen Abend zurück vom Zeuglodon Tal.
Frau O[sborn]und Josephine [Osborns Frau] besuchten Steinbruch C vor dem Mittagessen. Jemand kampiert im Wadi Ost vom Steinbruch zog Aufmerksamkeit auf sich und Frau O[sborn] war besorgt, wir alle kehrten zum Lager zurück mit ihr. Mickawi ritt hinüber um herauszufinden wer er war – kam zurück und sagte es wäre ein deutscher Sammler. Mittagessen im oberen Lager. Rückkehr zum Steinbruch C am Nachmittag. Sahen den deutschen der gerade einen guten Arsinoitherium Kiefer freilegte – er wusste dessen Namen. Ist offensichtlich ein Sammler mit einiger Erfahrung. Hinauf zu Osborns Lager am Abend. Das Keating-Pulver ist angekommen.

Sonntag 17. Februar
Der Deutsche Sammler hat sich heute bei Osborn  gemeldet. Er ist ein gewisser Mr. [Richard] Markgraf, hat bemerkenswerte Arbeit hier für Prof [Eberhard] Fraas gemacht. Sagt er hat einen Steinbruch mit Creadonten in einer höheren Ebene. Prof. O[sborn] erwähnte eine mögliche Beschäftigung für ihn, er sagte aber er sei in einem Beschäftigungsverhältnis mit Fraas.

Montag 18. Februar
Herr Markgraf meldete sich heute Abend im Camp. Er bezeugte Willen für uns zu arbeiten. Sollte versuchen Prof. O[sborn] zu erreichen um ein Arrangement zu tätigen. Ich werde morgen seine [Markgrafs]Sammlung sehen.


Dienstag 19. Februar
Ich war mit Daoud in Markgrafs Lager und dann unter Markgrafs Führungen in den westlichen Knochengruben von Beadnell [ungefähr 8 ½ Meilen westliche vom Hauptlager] Hier zeigte M[arkgraf] die Orte all seiner wichtigen Funde, welche ich aufzeichnete. Einige seiner besten Schädel sind beim Transport zerbrochen.
Sah seine Sammlung von der oberen Ebene, es sind keine Creodonta sondern Archodon, Megalohyrax & Geniohyus, -- sehr gut erhaltene weiße Knochen—offenbar von Gipsschichten. Empfinde ihn als sehr angenehm. Habe an Prof. O[sborn] geschrieben, hoffe eine Vereinbarung für Anstellung zu treffen. Herr M[arkgraf] lebt in einem kleinen Zelt nur mit dem Allernötigsten, hat zwei Kamele und zwei Männer. Spricht gut Arabisch.

 

Donnerstag 21. Februar
Diesen Nachmittag kam Markgrafs Einheimischer herüber, berichtete er hätte ein „ras“ gefunden. Ich ging rüber und fand heraus, dass er einen schönen Schädel von Palaeomastodon hatte – Schneidezahn und Archis [Bogen, Oberkiefer(?)] fehlen, aber sonst exzellent. Markgraf verwendet heißen Kleber um die Knochen zu härten. Schickt den Araber um Kleinholz zu sammeln und kocht den Kleber und fügt ihn hinzu während er noch heiß und dünn ist. Es scheint gut einzudringen und gut zu härten. Der Schädel war ein Einzelexemplar ein Stück nördlich seines Zelts am Boden des Wadi [ausgetrocknetes Flusstal]


Sonntag 24. Februar
Herr Markgraf zum Abendessen diesen Abend. Er hat seit dem Schädel nichts mehr gefunden. Olsen und ich hatten eine nette Zeit im Gespräch mit ihm, wir haben Englisch, Deutsch, Arabisch und Zeichensprache verwendet, sind aber gut zurechtgekommen. Wir finden ihn sehr angenehm. Er ist ein gebürtiger Österreicher, seine Frau ist tot und eine kleine Tochter wird in Italien großgezogen. Er war ein Violonist und kam nach Ägypten wegen seiner Gesundheit – hat eine Art von Lungen- oder Halsinfektion, möglicherweise TBC [Tuberkulose]. Er hat sein Hauptquartier in Kairo aber hat kürzlich Land in Sinnouris [Südöstlich von Tamia nahe der Fayum Oase] erworben und will dort Dattel & Orangenbäume aussetzen diesen Frühling. Seine Kamele gehen nach Sinnouris statt nach Tamia.13

source/quelle: http://www.touregypt.net/featurestories/grangerfayoum2.html



Olsborn Expedition 1907, Quelle/source Granger Report

Montag 1. April
Markgraf ist heute nach Sinnouris abgereist und fährt dann weiter nach Kairo

 

Nachdem Granger und Olsenn nach abgeschlossener Arbeit zum großen Fayum See Birket Quarun reisten, um dort von den einheimischen Fischen zu kaufen, stießen sie wieder auf die Spur von Markgraf:

 

Montag 22. April:
Wir sahen heute Markgrafs Spur in der Nähe des Camps, wo er vor kurzem mit seiner Ausrüstung vorbeikam. Offensichtlich ist er wieder auf Feldforschung.

 

Richard Markgraf konnte den amerikanischen Forschern eine neue Technik des Fossilienbergens im Fayum beibringen. Die Sandbänke des Fayum waren bedeckt mit polierten Kieseln und verkrustetem Sand. Wo ein Fossil in diesen Bänken erkennbar war, musste nur noch die verhärtete Oberfläche aufgekratzt und gelockert werden. Die restliche Arbeit des Freilegens wurde daraufhin vom Wüstenwind erledigt. Diese Technik wird auch heute noch von Paläontologen angewandt, allerdings in Dimensionen von der Größe eines Fußballfelds.


In Zusammenarbeit mit der Granger-Expedition gelangen Markgraf weitere Funde von fossilen Walen darunter Basilosaurus isis und ein gut erhaltener Schädel von Saghacetus osiris und Überreste von anthropoiden Primaten.

Expedition 1910

Forscher: Ernst Stromer von Reichenbach
Orte: Wadi el-Natrun, Luxor, Baharija Formation
Funde: Primat Libypithecus markgrafii, Saurierfossilien

Die Expedition von 1910/1911 sollte zur wichtigsten in Ernst Stromers Forscherleben werden. Die Expedition wurde in drei Etappen aufgeteilt. Zuerst wollten Stromer und Markgraf in das nordwestlich von Kairo gelegene Wadi el-Natrun reisen. Nach einigen Wochen des Erforschens dann nach Kairo zurückkehren, um ihre Vorräte zu ergänzen um dann in den Süden nach Luxor aufzubrechen um die östlichen Abhänge des Niltales zu erkunden, wo Stromer ähnliche Fossilbestände wie im Wadi el-Natrun vermutete. Daraufhin würden sie wieder nach Kairo fahren um die nötigen Vorräte und die behördliche Erlaubnis für das letzte Etappenziel, die Baharija-Oase, zu besorgen.

Das Natruntal stellte sich als wenig ergiebig heraus und Stromer war enttäuscht, als er ohne Ergebnisse nach Kairo zurückkehren musste. Markgraf blieb vor Ort um die Arbeit fortzusetzen. Eine Woche später konnte Markgraf seinen Freund und Arbeitgeber mit einem besonderen Fund eine große Freude bereiten: der Schädel einer kleinen Affenart. Stromer benannte den neu entdeckten Primaten nach Markgraf, Libypithecus markgrafi.

Die zweite Etappe führte nach Oberägypten wo Stromer die Seitentäler des Nils erforschen wollte, doch auch hier blieb der Erfolg aus. In Luxor wurde Markgraf erneut krank und Stromer musste zu Weihnachten 1910 zurück nach Kairo reisen um Ersatz zu finden. Markgraf war so schwer krank, dass er sich ins Krankenhaus begeben musste. Der neu angeworbene Führer, ein Einheimischer namens Mohamed el-Hitu war für Stromer kein befriedigender Ersatz für Markgraf.
Im Jänner 1911 reiste Stromer in die Baharija Oase.


Baharija Formation, Quelle/source: Wikipedia


Auch dort blieb im eine erfolgreiche Suche nach Säugetierfossilien versagt, doch was Stromer dort fand, sollte seinen Namen unvergessen in der Welt der Wissenschaft machen: Dinosaurier. Nachdem Stromer drei gigantischen Knochen nach Markgrafs Methode des Einwickelns in Gipsbandagen transportabel gemacht hatte überlegte er Markgraf, nach dessen Genesung zu engagieren um weitere Ausgrabungen zu machen. Nach diesem Erfolg sollten in den nächsten Jahren noch mehrere Expedition Markgrafs unter Stromers Leitung in die Baharija Formation erfolgen.


Mehrere Expeditionen zwischen 1912 und 1914

Forscher: Ernst Stromer von Reichenbach
Orte: Baharija Formation
Funde: Spinosaurus aegyptiacus, Baharijasaurus, Aegyptosaurus baharijensis, Carcharodontosaurus saharicus


Die Expeditionen zwischen 1912 und 1914 in die Baharija Formation brachten reichhaltige Dinosaurierfunde. Es konnten mindestens 3 verschiedene Raubsaurier und eine Pflanzen fressende Art identifiziert werden. Ernst Stromer musste allerdings bis 1922 warten bis er diese Fossilien erhielt. Markgraf hatte 1914 12 Kisten zum Transport nach München vorgesehen, diese wurden aufgrund der Spannungen zwischen Großbritannien, Deutschland und Österreich, die dem 1. Weltkrieg vorausgingen von den britischen Behörden in Ägypten beschlagnahmt. Mehrere Monate von Markgrafs Arbeit waren in den Kisten und damit sein Verdienst, den er nun nicht erhalten konnte. Stromer erreichte durch Intervention bei der „Geological Survey of Egypt“, dass die Kisten in Sicherheit gebracht wurden und Markgraf finanzielle Unterstützung erhielt. Doch erst acht Jahre später sollte Stromer seine wertvollen in der Zwischenzeit stark in Mitleidenschaft gezogenen Fossilien erhalten

Spinosaurus Knochen, zerstört 1945

Der reiche Inhalt der Kisten ermöglichte es Stromer jedoch eine große Anzahl neuer Tierarten zu bestimmen, darunter einige neue Krokodielarten wie Stomatosuchus und Aegyptosuchus. Stomatosuchus war ein großer im Wasser lebender Räuber mit einer langen flachen Schnauze. Weiters identifizierte Stromer zwei Schildkrötenarten und Überreste von Plesiosaurus, einem langhalsigen Meeresreptils. 1931 konnte Stromer eine neue Dinosaurierart, die er aus dem Fundus identifiziert hatte, publizieren: Carcharodontosaurus saharicus.

1932 beschrieb Stromer einen weiteren, dieses Mal pflanzenfressenden Dinosaurier aus der Baharija Formation, den er Aegyptosaurus baharijensis nannte. Das Skelett bestand aus einem Schulterblatt, einigen Fußknochen, sowie große Teile von Rücken und Schwanz. Mit seinen ungefähr 13 m Länge war dieses Tier für einen Pflanzenfresser nur mittelgroß.

Bereits ein Jahr später, 1934, veröffentlichte Stromer den Bahariasaurus ingens. In der Sendung von 1922 befanden sich offenbar Überreste von mehreren Individuen dieser Art.

 

Das Ende von Stromers Sammlung

Durch diese bedeutenden Funde sollte Ernst Stromer von Reichenbach zu einem der wichtigsten Paläontologen seiner Zeit werden, doch ein zweiter Krieg besiegelte das Schicksal von Stromers und Markgrafs Fossilien. Sie wurden, einschließlich der raren Relikte des Spinosaurus wurden mitsamt Stromers bedeutender Sammlung im 2. Weltkrieg durch aliierte Bombenangriffe auf München zerstört.  

 

Späte Ehren - Josh Smith Expedition 2000


Mit Stromers Sammlung waren alle Beweise für die Existenz der Baharija Dinosaurier zerstört worden. Lediglich Fotos des Forschers mit seinen gigantischen Knochen bezeugten noch das sie jemals existiert hatten. Da es keine neuen Funde aus Baharija gab, geriet Ernst Stromers und Richard Markgrafs Arbeit in Vergessenheit. Das sollte sich erst 1999, gut 60 Jahre nach Ernst Stromers Tod ändern, als der junge Amerikanische Forscher Joshua Smith und sein Team von der University of Pennsylvania beschlossen Ernst Stromers Spuren zu folgen und die Forschungsarbeit in Baharija wieder aufzunehmen. Der Erfolg dieser Forschungen war überwältigend. Den amerikanischen Forschern gelangen reiche Dinosaurierfunde, darunter die Wiederentdeckung von Spinosaurus, Charcharodontosaurus und Bahariasaurus. Bei ihren Expeditionen in Baharija stießen die Amerikaner auch auf Markgrafs Grabungsspuren und konnten einige seiner Ausgrabungen, die er zurücklassen musste fertig stellen. Die ungewöhnlich große Zahl an verschiedenen Saurierarten, darunter drei große Räuber und zwei riesige Pflanzenfresser weisen auf eine besondere Bedeutung des Baharija Gebiets in der Kreidezeit hin. Krönung der Arbeit des amerikanischen Forschungsteams war jedoch die Entdeckung eines der größten pflanzenfressenden Dinosaurier, die je gefunden wurden und zur Art der Titanosaurier zählt. Er wurde Paralititan stromeri benannt. So bekam Ernst Stromer letztendlich noch die verdiente Auszeichnung und Würdigung seiner Arbeit.


 



 

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