Markgrafs Nachhall in der Wissenschaft
Der Name Markgraf ist weltweit ein Begriff in der Paläontologie, besonders im Bereich der Walforschung und der frühen Primaten, aber auch in Zusammenhang mit der Entdeckung des Spinosaurus 1912 findet er große Beachtung. Die moderne Wissenschaft beschäftigt sich heute noch mit diesem rätselhaften Mann aus dem Fayum. Im amerikanischen Forschungsroman „The Lost Dinosaurs of Egypt“ von William Nothdurft und Josh Smith wird die Entdeckungsgeschichte des Spinosaurus und auch die Zusammenarbeit zwischen Ernst Stromer von Reichenbach und Richard Markgraf und dessen Entdeckung mehrerer Dinosaurierarten zwischen 1912 und 1914 beschrieben. Dank Vincent L. Morgan, dem Großneffen von Walter Granger wurden dessen Tagebücher auch in digitaler Form wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, eine wichtige Quelle über Markgraf. Morgen widmete Markgraf einen eigenen Online-Artikel. Auch in den Schriften des US-Forscher Philip D. Gingerich findet Markgraf Erwähnung. Gingerich hat bei der Neuordnung der Funde Fossiler Wale auch an den Sammler derselben gedacht und eine Walart nach ihm benannt, Masracetus markgrafi.
Ehrungen
In Richard Markgrafs langer entbehrungsreicher Tätigkeit als Fossiliensammler in Ägypten, hatte er das Glück, einige Aufsehen erregende und bedeutende Funde zu machen, die zur Erforschung und Klassifizierung neuer prähistorischer Tierarten beitrugen. 1904 verlieh der württembergische König Wilhelm II Richard Markgraf die Verdienstmedaille des Kronordens. Auch die bayrische Akademie der Wissenschaften ehrte ihn. Diese Honorationen seiner Arbeit zeigt die Bedeutung von Richard Markgraf für die Wissenschaft, da die Sammler sonst im Schatten der Wissenschaftler stehen und kaum erwähnt werden.
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Ehrenmedaille für Markgraf; Foto: Jock McCardell
Funde von Weltrang
| Dinosaurier | Spinosaurus aegyptiacus | |
| Baharijasaurus | ||
| Aegyptosaurus baharijensis | ||
| Carcharodontosaurus saharicus | ||
| Krokodile: | Libycosuchus brevirostris | |
| Säugetiere: | Arsinoitherium | |
| Säugetiere: | Basilosaurus isis | |
| Dorudon stromeri | ||
| Protocetus atavus | ||
| Saghacetus osiris |
Spinosaurus Aegyptiacus
Spinosaurus, der größte bekannte Theropode mit einer geschätzten Länge von 16 bis 18 m und einem geschätzten Gewicht von 7 bis 9 Tonnen übertraf somit sogar den berühmten Tyrannosaurus Rex. Wie alle Theropoden bewegte sicher der Spinosaurus auf den stark ausgeprägten Hinterfüßen.

Spinosaurus aegyptiacus
Der Spinosaurus zeichnet sich durch lange Dornfortsätze an der Rückenwirbelsäule aus. Traditionelle Rekonstruktionsversuche zeigen ein bis zu 4 m hohes Hautsegel zwischen diesen Dornfortsätzen, die zur Wärmeregulierung, Werbung oder Kommunikation gedient haben könnten.
Die heutigen Ansätze der Forschung gehen aber eher von kräftigen Muskeln als von Segeln aus. Man nimmt an, dass es sich um einen Aasfresser handelte, was der Krokodilartige Schädel und Zähne nahe legen, und der Rückenwulst das Tier stützte, wenn es sich vorgebeugt auf Futtersuche begab oder nach Fischen schnappte.
Carcharodontosaurus saharicus
Der Name Carcharodontosaurus bedeutet so viel wie haizahnige Echse und wurde von Stromer wegen deren geraden, sägenartigen bis zu 20 cm langen Zähnen ausgewählt. Auch dieser Fleischfresser konnte es mit seiner gewaltigen Körpergröße von 11-13 m und ca. 3 t Gewicht mit Tyrannosaurus aufnehmen und Bewegte, genauso wie dieser auf den 2 Hinterbeinen fort. Lange Zeit glaubten Paläontologen, dass der Carcharodontosaurus den längsten Schädel aller Raubechsen hätte, was jedoch durch neue Erkenntnisse widerlegt wurde. Den längsten Schädel hat, der mit dem Carcharodontosaurus eng verwandte Giganotosaurus.

Aegyptosaurus
Bedeutet Ägyptische Echse, zählt zu den großen sauropoden (pflanzenfressenden) Sauriern. Er zählte zu den mittelgroßen Tieren der Gattung Titanosaurus und lebte vor ca. 99 Mio. Jahren. Die geschätzte Länge des Aegyptosaurus beträgt 16 m, er war über 5m hoch, und wog etwa 10,5 t. Der Körperbau war der eines typischen Titanosaurus: massiger Rumpf, langer peitschenartiger Schwanz, sehr langer Hals und kleiner Kopf. Aegyptosaurus war ein naher Verwandter des größeren amerikanischen Argentionsaurus
Bahariasaurus
War ein zweibeiniger Fleischfresser, ähnlich wie Spinosaurus und Carcharodontosaurus. Der Saurier wird auf 12m Länge und ca. 2,5 t Gewicht geschätzt. Heute gilt der Bahariasaurus als nomen dubium, d.h. der Gattungsnamen wird in Zweifel gezogen, da er mit dem Deltadromeus identisch sein könnte.
Protocetus atavus

1903 gelang Markgraf der Fund der Überreste einer Walart an der Basis der Mokkatam Berge bei Kairo, die mit einem Alter von 45 Millionen Jahren, zu dieser Zeit und für Jahrzehnte später die älteste bekannte Walart war. Eberhard Fraas gab dem Tier den Namen Protocetus avatus, was so viel bedeutet wie "Urwal" oder "Vorwal". Diese Funde werden im Stuttgarter Museum verwahrt.
Source/Quelle: www.cetacea.de
Arsinoitherium
Ausgestorbene afrikanische Säugetiergattung aus dem späten Eozän bis ins frühe Oligozän. Der mit den heutigen Elefanten und Seekühen verwandte massive Pflanzenfresser lebte am Rande tropischer Wälder und Sümpfe. Von Statur war das Arsinoitherium den heutigen Nashörnern ähnlich und am ganzen afrikanischen Kontinent beheimatet. Der massige Körper wurde von säulenartigen Beinen getragen. Die Schulterhöhe betrug 1,8 m; die Gesamtkörperlänge ca. 3 m, das Gewicht wird auf 2,5 t geschätzt. Die auffälligen Hörner am Schädel bestanden aus hohlem Knochen, anders als beim Nashorn wo sie aus Hornsubstanz bestehen. Die Funktion dieser großen Hörner ist ungeklärt. Zwei kleinere Hörner befanden sich über den Augen.

Nach Markgraf benannte Arten:
| Primaten: | Moeripithecus markgrafi | |
| Libypithecus markgrafi | ||
| Wale: | Masracetus markgrafi | |
| Seekuh: | Eotherium markgrafi (nomen nudum; nicht mehr gültig) | |
| Hyäne : | Megapderodon markgrafi | |
| Krabbe: | Stintonius markgrafi | |
| Fisch: | Markgrafia libyca, Markgrafia nigeriensis |
Masracetus markgrafi
2007 benannte der US Paläontologie Philip D. Gingerich eine eigene Art der "Urwale" nach Richard Markgraf.
1905 hatte Markgraf ein Skelett dieser Art im nördlichen Fayum gefunden. Im Laufe der Jahre wurde der Fund anderen Arten zugeordnet. Gingerich konnte jedoch weitere Funde zuordnen und gründete daraufhin eine eigene Art, den
Masracetus markgrafi
Libypithecus markgrafi
1910 unternahm Ernst Stromer in Begleitung von Markgraf eine Expedition zur Entdeckung neuer Fossilien von Säugetieren. Stromer hatte kein Glück mit seinen Säugetieren. Im Dezember 1910 gelang Markgraf im Wadi el Natrun der Fund des Schädels einer kleinen Affenart. Ernst Stromer benannte den Fund nach seinem Freund
Libypithecus markgrafi
Moeripithecus markgrafi
Eine Affenart ist auch nach Markgraf benannt worden, genauere Fundumstände sind unbekannt, das Fossil wurde zusammen mit einer von Markgraf zusammengestellten Sammlung oligozäner Primaten aus Ägypten 1907 an das Stuttgarter Natrualienkabinett übergeben.
Markgrafia
Eine besondere Ehrung für jeden Forscher ist es, wenn eine ganze Gattung dessen Namen trägt. Das ist auch bei Markgraf der Fall, obwohl er kein anerkannter Wissenschafter war. Eine ganze Familie fossiler Fische mit Unterarten aus der Baharija Oase trägt den Namen Markgrafia. Als Unterarten werden Margrafia libyca und Margrafia nigeriensis genannt. Diese Fischart gehört zur Familie der Haie und Rochen.
Markgrafia Weiler, 1935
Wadi Markgraf, Tel Markgraf
Walter Granger hat 1907 während seiner Expedition ein ausgetrocknetes Flusstal im Fayum nach Richard Markgraf benannt, Wadi Markgraf. Auch ein Hügel wurde als Tel Markgraf bezeichntet. Wahrscheinlich hat die Osborn Expedition die Täler so benannt um sich besser orientieren zu können. Ob die Bezeichnung heute noch in Ägypten gebräuchlich ist, ist unwahrscheinlich.
Fossilien im virtuellen Fayum?
Ein nettes Detail am Rande:
Ein Screenshot aus dem beliebten Computer-Rollenspiel "Titan Quest - Immortal Throne" zeigt eine Heldengruppe unter einem riesigen Skelett (Saurier, Wal?). Das ist für Rollenspiele dieser Art nicht ungewöhnlich, würde der Spielort nicht ausgerechnet eine Höhle in der virtuellen Fayoum Oase sein. Zufall oder von den Spieldesignern gut recherchiert?



